Liquids zum Selbermischen: Mengen, Sicherheit und Fehler vermeiden
Liquids selber mischen: Formel für Nikotinstärke, PG/VG und Aroma, sichere Schritt-für-Schritt-Anleitung, Fehlercheck und Hinweise für Deutschland.
Kurzantwort: Wer Liquids selber mischt, berechnet zuerst die Zielmenge, dann Aroma und – falls verwendet – Nikotin. Erst danach wird mit Base aufgefüllt. Entscheidend sind eine saubere Rechnung, geeignete Inhaltsstoffe und konsequenter Schutz vor Hautkontakt, Verwechslung und dem Zugriff von Kindern.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Nikotin macht abhängig und kann beim Verschlucken oder bei falscher Handhabung schwere Vergiftungen verursachen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät wegen dieser Risiken vom Selbstmischen nikotinhaltiger Liquids ab. Dieser Beitrag richtet sich ausschließlich an Erwachsene und dient der Risikoeinordnung – nicht als Aufforderung. Wer bei Konzentration, Kennzeichnung oder Rechnung unsicher ist, sollte ein korrekt gekennzeichnetes Fertigliquid verwenden.
Was gehört in ein selbst gemischtes Liquid?
Ein übliches E-Liquid besteht aus einer Trägerbasis, einem dafür vorgesehenen Aroma und optional einem Nikotinshot. Die Basis enthält meist Propylenglykol (PG), pflanzliches Glycerin (VG) oder eine Mischung daraus. PG ist dünnflüssiger und transportiert Aroma gut; VG ist zähflüssiger und erzeugt mehr sichtbares Aerosol. Welches Verhältnis passt, hängt vom Gerät und vom Coil ab.
Verwendet werden sollten ausschließlich Inhaltsstoffe, die ausdrücklich für E-Liquids vorgesehen, eindeutig gekennzeichnet und innerhalb ihrer Haltbarkeit sind. Küchenaromen, ätherische Öle, selbst angesetzte Extrakte und andere nicht dafür bestimmte Stoffe gehören nicht in ein Liquid. Auch bei nikotinfreien Mischungen ist „ohne Nikotin“ nicht gleichbedeutend mit „harmlos“: Das BfR weist darauf hin, dass gesundheitliche Risiken auch durch Vernebelungs-, Aroma- und Zusatzstoffe sowie mögliche Verunreinigungen entstehen können.
Vor dem Mischen: Arbeitsplatz und Ausrüstung
Bereiten Sie den Arbeitsplatz vollständig vor, bevor eine Flasche geöffnet wird. So müssen Sie nicht mit verschmutzten Handschuhen nach Werkzeugen suchen.
- Nitrilhandschuhe und Schutzbrille
- abwischbare, gut beleuchtete Arbeitsfläche ohne Lebensmittel
- saubere Messspritzen ohne Nadeln, Pipetten oder eine geeignete Feinwaage
- auslaufsichere Mischflasche mit kindersicherem Verschluss
- wischfester Stift und Etikett für Inhalt, Nikotinstärke und Mischdatum
- Papiertücher sowie ein verschließbarer Beutel für verunreinigtes Material
Kinder, Haustiere, Getränke und Lebensmittel haben am Mischplatz nichts zu suchen. Nikotinhaltige Komponenten bleiben bis zur Verwendung verschlossen. Bei Hautkontakt die betroffene Stelle sofort gründlich mit Wasser abspülen; bei Verschlucken oder Beschwerden unverzüglich ein Giftinformationszentrum beziehungsweise den Notruf kontaktieren und das Produktetikett bereithalten.
Die drei Rechnungen: Nikotin, Aroma und Base
Rechnen Sie immer mit Millilitern und Milligramm pro Milliliter. Prozentangaben dürfen nicht direkt mit mg/ml vermischt werden.
1. Nikotinshot berechnen
Die Grundformel lautet:
Shot-Menge in ml = Zielstärke in mg/ml × Zielmenge in ml ÷ Shot-Stärke in mg/ml
Beispiel: Für 100 ml fertiges Liquid mit 3 mg/ml bei einem Shot mit 20 mg/ml ergibt sich:
3 × 100 ÷ 20 = 15 ml Nikotinshot
Die 15 ml gehören bereits zur fertigen Gesamtmenge von 100 ml. Sie werden nicht zusätzlich auf 100 ml Base gegeben. Für eine nikotinfreie Mischung beträgt die Shot-Menge 0 ml. Mehr Grundlagen zu Konzentrationen finden Sie im Beitrag Liquid mit Nikotin.
2. Aromamenge berechnen
Maßgeblich ist die Dosierempfehlung des Herstellers. Bei 8 Prozent Aroma und 100 ml Zielmenge lautet die Rechnung:
100 ml × 8 ÷ 100 = 8 ml Aroma
Mehr Aroma bedeutet nicht automatisch mehr Geschmack. Eine Überdosierung kann das Ergebnis flach, künstlich oder unangenehm machen. Beginnen Sie nicht außerhalb der Herstellerempfehlung und verändern Sie bei einem Testansatz nur eine Variable.
3. Base als Restmenge berechnen
Base = Zielmenge – Nikotinshot – Aroma
Im Beispiel mit 100 ml Zielmenge, 15 ml Shot und 8 ml Aroma bleiben 77 ml Base. Das ist eine Volumenrechnung. Wer zusätzlich ein exaktes PG/VG-Endverhältnis erreichen möchte, muss berücksichtigen, ob Shot und Aroma selbst in PG oder VG gelöst sind. Die einfache Restmengenformel allein garantiert kein exaktes 50/50- oder 70/30-Ergebnis.

Erst alle Mengen berechnen, dann Komponenten messen und am Ende bis zur Zielmenge auffüllen.
Beispiel für 100 ml: Rechenweg statt Rezept
| Ziel | 20-mg/ml-Shot | Aroma bei 8 % | Base als Rest |
|---|---|---|---|
| 0 mg/ml | 0 ml | 8 ml | 92 ml |
| 3 mg/ml | 15 ml | 8 ml | 77 ml |
Die Tabelle zeigt nur die Mathematik für das Volumen. Sie ersetzt weder die Herstellerangaben noch die Prüfung des PG/VG-Anteils der einzelnen Komponenten. Verwenden Sie für andere Zielstärken die Formel und kontrollieren Sie das Ergebnis unabhängig ein zweites Mal.
Schritt für Schritt mischen
- Ziel festlegen: Gesamtmenge, gewünschte Nikotinstärke und Aromadosierung schriftlich notieren.
- Etiketten prüfen: Stärke, Trägerflüssigkeit, Dosierbereich, Haltbarkeit und Unversehrtheit kontrollieren.
- Rechnung doppelt prüfen: Shot-, Aroma- und Basemenge müssen zusammen genau die Zielmenge ergeben.
- Schutz anlegen: Handschuhe und Schutzbrille tragen; Fläche freiräumen.
- Komponenten messen: Jede Komponente mit einem sauberen, passenden Messwerkzeug dosieren. Nichts in Lebensmittelgefäße umfüllen.
- Flasche verschließen und mischen: Verschluss kontrollieren und die Flasche gleichmäßig schwenken beziehungsweise schütteln.
- Sofort beschriften: Inhalt, Nikotinstärke, PG/VG-Ziel, Aroma, Mischdatum und gegebenenfalls Reifehinweis notieren.
- Sicher lagern: Aufrecht, kühl, dunkel und für Kinder sowie Haustiere unerreichbar aufbewahren.
Reifezeit: Nicht jedes Aroma braucht dasselbe
Die Reifezeit ist keine feste Qualitätsgarantie. Manche einfache Fruchtaromen sind nach kurzer Zeit ausgewogen, komplexe Dessert-, Creme- oder Tabakaromen verändern sich über mehrere Tage. Maßgeblich bleibt der Hinweis des Aromaherstellers. Wärme, offenes Stehenlassen oder häufiges Öffnen beschleunigen nicht zuverlässig, können aber Oxidation und Verunreinigung fördern.
Testen Sie zunächst eine kleine Menge. Schmeckt sie zu schwach, prüfen Sie zuerst Reifezeit, Coil-Zustand und Dosierfehler. Geben Sie nicht reflexartig weiteres Aroma in die gesamte Flasche.
PG/VG und Gerät aufeinander abstimmen
Zähflüssige, VG-reiche Mischungen können in kleinen Pod-Coils langsamer nachfließen. Zu dünne Mischungen können bei dafür ungeeigneten Tanks eher auslaufen. Nutzen Sie den vom Geräte- oder Coil-Hersteller empfohlenen Bereich. Wenn keine klare Angabe vorhanden ist, ist eine vorsichtige, gerätebezogene Recherche sinnvoller als ein beliebiges Standardverhältnis.
Verwenden Sie nie ein Liquid weiter, wenn sich unerwartete Bestandteile absetzen, die Flasche beschädigt ist, die Kennzeichnung fehlt oder Geruch und Aussehen deutlich von der Erwartung abweichen.
Häufige Fehler und ihre Folgen
Die Gesamtmenge falsch verstanden
Der häufigste Rechenfehler besteht darin, Shot und Aroma zusätzlich auf eine bereits volle Basemenge zu geben. Dadurch stimmen Zielstärke, Aromaprozent und Endmenge nicht mehr. Rechnen Sie immer rückwärts von der fertigen Zielmenge.
Prozent und mg/ml verwechselt
Die Aromadosierung wird meist in Prozent angegeben; die Nikotinstärke in mg/ml. Beide Größen beschreiben etwas anderes. Nutzen Sie getrennte Formeln.
Unbeschriftete Flaschen
Eine transparente Flüssigkeit ist später nicht zuverlässig zuzuordnen. Jede Flasche wird sofort beschriftet – auch ein kleiner Testansatz und auch eine nikotinfreie Mischung.
Ungeeignete Behälter oder Werkzeuge
Getränkeflaschen, Küchengefäße und lose Verschlüsse erhöhen das Risiko von Verwechslung, Verschlucken und Auslaufen. Verwenden Sie nur geeignete, dichte und klar gekennzeichnete Liquidflaschen.
Was gilt für Nikotinshots in Deutschland?
Nach § 14 des deutschen Tabakerzeugnisgesetzes dürfen nikotinhaltige Nachfüllbehälter höchstens 10 ml enthalten; die Nikotinkonzentration darf 20 mg/ml nicht überschreiten. Elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter müssen außerdem kinder-, manipulations-, bruch- und auslaufsicher sein. Verwenden Sie keine Ware ohne nachvollziehbare Kennzeichnung und Sicherheitsverschluss.
Die 10-ml-Regel erklärt, warum Nikotinshots typischerweise in kleinen Flaschen verkauft werden. Sie sagt jedoch nicht, welche Zielstärke für eine Person geeignet ist. Nikotin ist stark abhängig machend; Nichtraucherinnen, Nichtraucher, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollten keine nikotinhaltigen Produkte verwenden.
FAQ zum Selbermischen
Kann ich die Nikotinstärke mit einer einfachen Formel berechnen?
Ja. Zielstärke × Zielmenge ÷ Shot-Stärke ergibt die benötigte Shot-Menge. Prüfen Sie Einheit und Ergebnis zweimal und rechnen Sie den Shot als Teil der Gesamtmenge.
Wie viel Aroma brauche ich?
Nutzen Sie ausschließlich den Dosierbereich des konkreten Aromas. Bei einer Empfehlung in Prozent gilt: Zielmenge × Prozent ÷ 100. Angaben eines anderen Produkts sind nicht übertragbar.
Ist ein nikotinfreies Liquid risikofrei?
Nein. Es entfällt zwar das Nikotin, doch andere Inhaltsstoffe und beim Erhitzen entstehende Stoffe können gesundheitliche Risiken bergen. Mehr dazu erklärt unser Beitrag E-Zigarette ohne Nikotin.
Kann ich ein altes oder unbeschriftetes Liquid noch verwenden?
Wenn Inhalt, Konzentration oder Mischdatum nicht sicher nachvollziehbar sind, sollte es nicht verwendet werden. Entsorgen Sie nikotinhaltige Reste nicht in Ausguss oder Toilette; beachten Sie die örtlichen Vorgaben zur Schadstoffentsorgung.
Fazit: Erst rechnen, dann mischen
Ein nachvollziehbarer Ansatz besteht aus vier Punkten: geeignete Komponenten, korrekte Rechnung, saubere Arbeitsweise und eindeutige Kennzeichnung. Die Zielmenge ist immer die fertige Gesamtmenge. Shot und Aroma werden davon abgezogen; die Base füllt den Rest. Bei Unsicherheit – besonders bei Nikotin – ist ein korrekt gekennzeichnetes Fertigliquid die risikoärmere Wahl.